Neue Zählweise ab 2009
Vor dem Jahr 2009 wurde ein Tatverdächtiger unter Umständen auch mehrfach gezählt, je nach dem, ob er im betreffenden Zeitraum in mehreren Bundesländern straffällig wurde. Ab dem Jahr 2009 wurde bundesweit die sogenannte „echte Tatverdächtigenzählung“ eingeführt, was bedeutet, dass ein Tatverdächtiger, der in mehreren Bundesländern auffällig wurde, in den Bundestabellen nur einmal erfasst wird. Daher macht ein Vergleich zwischen den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2024 und dem Jahr 2009 am meisten Sinn, um die Entwicklung der Kriminalität zu betrachten.
Kriminalitätsentwicklung – ein 15-Jahres Vergleich
Um einen Überblick über die Kriminalitätsentwicklung der letzten 15 Jahre in Deutschland zu erhalten, wurde jeweils die Zahl der gesamt erfassten Fälle, der Tatverdächtigen gesamt, der deutschen Tatverdächtigen, der nichtdeutschen Tatverdächtigen sowie die gesamte und prozentuale Entwicklung der beiden Tatverdächtigengruppen aus den Jahren 2009 und 2024 herangezogen.
Straftaten gesamt
Im Jahr 2009 wurden insgesamt 6.054.030 Straftaten erfasst. Hierzu wurden insgesamt 2.187.217 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 1.724.839 deutsche Tatverdächtige und 462.378 nichtdeutsche Tatverdächtige. Somit stellten Deutsche einen Anteil von 78,9 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 21,1 Prozent aller Tatverdächtigen.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 5.837.445 Straftaten erfasst. Hierzu wurden insgesamt 2.184.834 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 1.271.638 deutsche Tatverdächtige und 913.196 nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst. Somit stellen Deutsche einen Anteil von 58,2 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 41,8 Prozent aller Tatverdächtigen.
Es wurden also im Vergleich zum Jahr 2009 im Jahr 2024 insgesamt 453.201 weniger deutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Abnahme um 26,3 Prozent bedeutet. Im Vergleich zum Jahr 2009 wurden jedoch im Jahr 2024 insgesamt 450.818 mehr nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Zunahme um 97,5 Prozent bedeutet.
Gewaltkriminalität
Im Jahr 2009 wurden insgesamt 208.446 Fälle im Deliktbereich „Gewaltkriminalität“ (PKS-Schlüssel 892000) erfasst. Hierzu wurden insgesamt 204.265 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 156.226 deutsche Tatverdächtige und 48.039 nichtdeutsche Tatverdächtige. Somit stellten Deutsche einen Anteil von 76,5 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 23,5 Prozent aller Tatverdächtigen.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 217.277 Fälle im Deliktbereich „Gewaltkriminalität“ erfasst. Hierzu wurden insgesamt 197.347 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 112.335 deutsche Tatverdächtige und 85.012 nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst. Somit stellen Deutsche einen Anteil von 57 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 43 Prozent aller Tatverdächtigen.
Es wurden also im Vergleich zum Jahr 2009 im Jahr 2024 insgesamt 43.891 weniger deutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Abnahme um 28,1 Prozent bedeutet. Im Vergleich zum Jahr 2009 wurden jedoch im Jahr 2024 insgesamt 36.973 mehr nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Zunahme um 56,5 Prozent bedeutet.
Mord und Totschlag
Der PKS Schlüssel „Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen“ wird als Summenschlüssel erst ab 2013 ausgewiesen. Daher ist hier nur ein Vergleich zwischen den Jahren 2013 und 2024 möglich.
Im Jahr 2013 wurden insgesamt 2.122 Fälle im Deliktbereich „Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen“ (PKS-Schlüssel 892500) erfasst. Hierzu wurden insgesamt 2.617 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 1.850 deutsche Tatverdächtige und 767 nichtdeutsche Tatverdächtige. Somit stellten Deutsche einen Anteil von 70,7 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 29,3 Prozent aller Tatverdächtigen.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 2.303 Fälle im Deliktbereich „Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen“ erfasst. Hierzu wurden insgesamt 2.881 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 1.596 deutsche Tatverdächtige und 1.285 nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst. Somit stellen Deutsche einen Anteil von 55,4 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 44,6 Prozent aller Tatverdächtigen.
Es wurden also im Vergleich zum Jahr 2009 im Jahr 2024 insgesamt 254 weniger deutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Abnahme um 13,7 Prozent bedeutet. Im Vergleich zum Jahr 2009 wurden jedoch im Jahr 2024 insgesamt 518 mehr nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Zunahme um 67,5 Prozent bedeutet.
Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff im besonders schweren Fall einschließlich mit Todesfolge
Im Jahr 2016 wurden vom Gesetzgeber im Sexualstrafrecht bisherige Straftatbestände geändert und neue Straftatbestände geschaffen. Erst im Jahr 2018 wurden alle Änderungen vollständig in der PKS ausgewiesen. Somit ist ein Vergleich zwischen den Jahren 2018 und 2024 sinnvoll.
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 9.234 Fälle im Deliktbereich „Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff im besonders schweren Fall einschließlich mit Todesfolge“ (PKS-Schlüssel 111000) erfasst. Hierzu wurden insgesamt 8.047 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 4.945 deutsche Tatverdächtige und 3.102 nichtdeutsche Tatverdächtige. Somit stellten Deutsche einen Anteil von 61,5 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 38,5 Prozent aller Tatverdächtigen.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 13.320 Fälle im Deliktbereich „Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff im besonders schweren Fall einschließlich mit Todesfolge“ erfasst. Hierzu wurden insgesamt 11.329 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 6.892 deutsche Tatverdächtige und 4.437 nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst. Somit stellen Deutsche einen Anteil von 60,8 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 39,2 Prozent aller Tatverdächtigen.
Es wurden also im Vergleich zum Jahr 2009 im Jahr 2024 insgesamt 1.947 mehr deutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Zunahme um 39,4 Prozent bedeutet. Im Vergleich zum Jahr 2009 wurden im Jahr 2024 insgesamt 1.335 mehr nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Zunahme um 43,1 Prozent bedeutet.
Gefährliche und schwere Körperverletzung
Im Jahr 2009 wurden insgesamt 149.301 Fälle im Deliktbereich „Gefährliche und schwere Körperverletzung“ (PKS-Schlüssel 222000) erfasst. Hierzu wurden insgesamt 167.860 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 129.917 deutsche Tatverdächtige und 37.943 nichtdeutsche Tatverdächtige. Somit stellten Deutsche einen Anteil von 77,4 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 22,6 Prozent aller Tatverdächtigen.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 158.177 Fälle im Deliktbereich „Gefährliche und schwere Körperverletzung“ erfasst. Hierzu wurden insgesamt 158.432 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 90.835 deutsche Tatverdächtige und 67.597 nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst. Somit stellen Deutsche einen Anteil von 57,3 Prozent und Nichtdeutsche einen Anteil von 42,7 Prozent aller Tatverdächtigen.
Es wurden also im Vergleich zum Jahr 2009 im Jahr 2024 insgesamt 39.082 weniger deutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Abnahme um 30,1 Prozent bedeutet. Im Vergleich zum Jahr 2009 wurden jedoch im Jahr 2024 insgesamt 29.654 mehr nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst, was eine Zunahme um 78,2 Prozent bedeutet.
Dürftige Erklärungen der Bundesregierung zum Anstieg der Ausländerkriminalität
Die Bundesregierung versucht sich in der Antwort auf die Anfrage an einer Erklärung zum teilweisen massiven Anstieg der nichtdeutschen Tatverdächtigen in den letzten Jahren. Einen Sinn ergeben die Erklärungsversuche jedoch kaum. So wird angeführt, dass die deutsche Bevölkerung hinsichtlich der Größe nahezu gleich geblieben ist, während die nichtdeutsche Bevölkerung jedoch zugenommen hat, was wiederum den Anstieg der nichtdeutschen Tatverdächtigen erklären würde.
Das würde jedoch nur dann einen Sinn ergeben, wenn der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen mit dem Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung gesamt ungefähr übereinstimmen würde und gleichzeitig der Zuwachs an nichtdeutschen Tatverdächtigen mit dem Zuwachs an Nichtdeutschen in der Bevölkerung einhergeht. Beides ist nicht der Fall. Während die Zahl der deutschen Tatverdächtigen abnimmt, steigt der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen massiv an bis hin zur beinahen Verdoppelung, je nach Deliktbereich.
Während der Ausländeranteil an der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2024 mit 14,1 Millionen Personen rund 16,9 Prozent betrug, lag der Anteil an Ausländern an den erfassten Tatverdächtigen bei allen Straftaten bei 41,8 Prozent. Damit sind Ausländer gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung bei den Tatverdächtigen um das rund 2,5 fache überrepräsentiert.
Außerdem führt die Bundesregierung aus, dass viele Schutzsuchende mehrere Risikofaktoren wie z.B. Armut, Gewalterfahrung und unsichere Zukunftsperspektiven, für verschiedene Deliktsbereiche wie z.B. Gewalt- oder Eigentumsdelikte aufweisen würden. In Deutschland gilt jedoch, dass vor dem Gesetz alle gleich sind. Stilisiert man Straftäter zu Opfern ihrer eigenen Lebensgeschichte, wird man wiederum den Opfern ihrer Taten nicht gerecht.
Man kann und muss, auch und gerade von Menschen, die hier Schutz und Versorgung finden, erwarten können, dass diese keine Straftaten begehen und somit der aufnehmenden Gesellschaft keinen Schaden zufügen. Die Regierung versucht jedoch offensichtlich, durch die Opferkategorisierung von Tätern, die als Asylbewerber ins Land kamen, die Probleme, welche durch die Asylpolitik auch im Bereich Kriminalität in den Letzen Jahren entstanden sind, zu verharmlosen.
Quelle: Drucksache 21/41 – Deutscher Bundestag





