Corona Aufarbeitung – einen ersten Weg zeigt ein Bischof der evangelischen Kirche auf Kirche hat sich schuldig gemacht

Die Corona Zeit und der politische Umgang damit hat tiefe Gräben in die Gesellschaft hinterlassen und tiefe Wunden bei den Menschen verursacht. Wie kann man diese Zeit aufarbeiten, entstandene Wunden heilen und geschlagene Gräben schließen?
Der evangelische Bischof im Nordkirchen-Sprengel Mecklenburg und Pommern, Tilman Jeremias hat versucht einen Weg zu finden, die Corona Zeit aufzuarbeiten.

Einladung zur Diskussion durch den Bischof

Bischof Jeremias selbst hat zur Diskussion mit dem Thema „Kirche und Corona – was bleibt“ nach Salem in Mecklenburg-Vorpommern geladen. Pastoren, Seelsorger, Gemeindemitglieder und Studenten sind der Einladung gefolgt.
Viele davon vertreten auch heute noch die Position, dass alle Corona Maßnahmen begründet waren und die Kirche in der Umsetzung eben jener Maßnahmen alles richtig gemacht hat.

„Wo Ungeimpfte diskriminiert wurden, sind wir als Kirche schuldig geworden“

Ganz anders Bischof Jeremias. Aus seiner Sicht hat die Corona Zeit, aber vor allem der Streit um die Maßnahmen tiefe Verletzungen bei den Menschen im Osten hinterlassen. Und er sieht die Kirchen mit in der Verantwortung.
Dementsprechend klar formuliert der Bischof am Ende der Veranstaltung seine Worte:

„Wo Menschen ausgegrenzt und diskriminiert worden sind, weil sie die Corona-Maßnahmen kritisiert oder sich nicht haben impfen lassen, da sind wir als Kirche schuldig geworden. Die christliche Kirche ist kein Gesinnungsverein, in dem alle gleicher Meinung sein müssen. Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die sehr sehr unterschiedlich sind“, sagt er. „Schon die ersten Christen hatten heftig um Positionen gerungen. Trotzdem beisammen zu bleiben – darauf komme es an.“

Pastoren schildern ihre Erfahrungen

Zuvor schilderten mehrere Pastoren ihre Erfahrungen aus den Corona Jahren.
So fast der ungeimpfte Pastor Michael Giebel aus Altentreptow die Zeit zusammen. Auch gab es manch gute Erfahrungen während der Corona-Zeit, aber dennoch will er im Saal seine persönlichen Tiefpunkte mit den Gästen teilen. „Ungeimpfte wurden als Verräter an der Nächstenliebe gebrandmarkt. Man hat sie allesamt als verantwortungslos hingestellt, auch wenn sie vielleicht vorsichtiger agierten als Geimpfte, die das Virus ebenfalls verbreiten konnten. Und man hat sie pauschal in die rechte Ecke geschoben.“ Aufgearbeitet habe seine Gemeinde die entstandenen Verletzungen nicht, das habe aber auch niemand gefordert. „Wir knüpfen an die Zeit davor an“, so Giebel.

Wut und Enttäuschung ist aus den Worten von Markus Wenzel, Pastor in Waren an der Müritz, zu hören. Er hat in der Corona Zeit einen offenen Brief an den Bundestagspräsidenten verfasst, und ihn gebeten, das Infektionsschutzgesetz zu stoppen. Außerdem ist Wenzel Mitverfasser der Sanitzer Thesen. Diese Thesen werfen der Kirche unter anderem vor, die politisch angeordneten Maßnahmen unreflektiert übernommen und angewandt zu haben. Die Kirche hätte dem bewussten Schüren von Ängsten nicht widersprochen und die Verletzung der Menschenwürde einfach hingenommen.

„Wir wollen eine theologische Diskussion anstoßen, aber die Verantwortlichen haben nicht geantwortet“, erklärt Wenzel.

Bis heute gehe durch seine Kirchengemeinde ein Riss, auch er sei tief verletzt.

„Als Impfkritiker musste ich mir auch sagen lassen, ich sei verantwortungslos, ein Sozialparasit, kein guter Christ… man hat eineinhalb Jahre lang meine Würde mit Füßen getreten“, so Wenzel.

Angehörige durften sich nicht von ihren Lieben verabschieden – Warum hat die Kirche geschwiegen?

Einen wichtigen Punkt spricht Pastor Leif Rother an. Den Seelsorger, der für fünf Krankenhäuser zuständig ist, beschäftigt noch heute, dass Menschen sich von ihren sterbenden Angehörigen nicht verabschieden durften, weil die strengen Maßnahmen selbst in Hospizen und Palliativstationen gnadenlos umgesetzt wurden. .

„Warum habt Ihr dazu als Kirche geschwiegen?“, fragt Rother. Elementare Persönlichkeitsrechte der Menschen seien in der Zeit zuhauf verletzt worden, und die Kirche habe keine Räume geboten, um sachliche Argumente breit zu diskutieren.

„Es braucht wieder eine Diskussionskultur wie zu Wendezeiten“, so der Pastor.

Der Greifswalder Physiker und Kirchenälteste Steffen Franke, dreifach geimpft, kommt auf die Verengung des Meinungskorridors und wissenschaftlichen Umgang mit Corona zu sprechen.

„Es waren einzelne Wissenschaftler, die den Weg bestimmt und als alternativlos vorgegeben haben. Dabei hätten nicht nur Mediziner, sondern Wissenschaftler vieler weiterer Disziplinen den Kurs damals mitbestimmen müssen“, so Franke.

Auch heute wird aus Sicht des Physikers zu schmal diskutiert.

„Wenn jemand ein Argument bringt, wird sofort geguckt: In welches Lager gehört der? Zählen müssen doch Argumente.“

Ein guter Anfang

Die Diskussionsrunde, die Bischof Jeremias geschafften hat, ist sicherlich ein guter Anfang einer für die Gesellschaft so wichtigen Aufarbeitung der Corona Zeit. Auf alle Fälle ist das mehr, als die Bundesregierung bis dato in Sachen Aufarbeitung zu leisten gewillt ist.

Auch wenn ich persönlich meine Zweifel habe, dass diese Gesellschaft in diesem Sinne heilen kann. Eine Aufarbeitung des politischen, wissenschaftlichen und medialen Tuns in der Corona Zeit hat diese Gesellschaft allemal verdient. Und vielleicht könnte man so doch die tiefen Gräben zwischen uns doch zumindest wieder zum Teil schließen. Es ist uns allemal zu wünschen.

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Kommentare

  1. Wenn es darauf ankam, haben Deutsche Kirchen schon immer mit den Wölfen geheult. Die paar Aufrechten (oder ist dieses Wort auch schon als böse gebrandmarkt worden?) haben nie etwas bewirkt und werden es auch in Zukunft nicht!

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