Die Geschichte von Filipp
Die Familie von Filipp stammt aus Kasachstan. Filip lebte zusammen mit acht seiner insgesamt elf Geschwister und seinen Eltern in Meinerzhagen. Als Filipp 12 Jahre alt war, kam er nach Deutschland. Hier fand er jedoch nie wirklich Anschluss, laut seiner Familie. Filipp wurde immer wieder Opfer von Mobbing und Gewalt, wie entsetzliche Videos belegen. Immer wieder wurde er von anderen Jugendlichen angegriffen und geschlagen, während die andere Mittäter die Angriffe mit ihren Handys filmten.
Wie so oft war Filipp am 30. Januar 2024 auf dem Skatepark in Meinerzhagen. Das war der Ort, an dem er sich wohlfühlte, wie sein älterer Bruder Medien gegenüber erklärte. An diesem Ort wurde Filipp Opfer eines brutalen Angriffs, der ihm das Leben kostete. Laut Zeugenaussagen wollte der 16-Jährige einen Streit unter anderen Jugendlichen schlichten. In der Folge sollen mehrere Täter auf Filipp eingeschlagen und eingetreten haben. Nach einem Schlag soll er zu Boden gegangen sein. Später sagen einige Zeugen aus, dass es weitere Tritte gegen den Kopf von Filipp gegeben haben soll, als dieser bereits am Boden lag.
Mit schwersten Kopfverletzungen wurde der Jugendliche ins Krankenhaus eingeliefert. Nachdem Filipp mehrere Tage im Koma lag, konnten die behandelnden Ärzte nur noch den Hirntod des Jugendlichen feststellen. Am 8. Februar 2024 starb Filipp, nachdem die Eltern die schwere Entscheidung treffen mussten, die lebenserhaltenden Maschinen abzustellen. Laut Obduktion waren schwere Hirnblutungen die Todesursache.
Ermittlungen ziehen sich über ein Jahr hin
Lange war es nicht klar, ob jemand für den Tod von Filipp Verantwortung übernehmen muss. Die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft Hagen zogen sich über ein Jahr hin. Die lange Ermittlungsdauer soll im Zusammenhang mit einem neuropathologischen Gutachten stehen, das klären soll, was die Ursache für die tödlichen Hirnblutungen war.
Dazu erklärte Oberstaatsanwalt Michael Burggräf: „Das Opfer hatte massive Blutungen im Inneren des Gehirns. Was die Blutung ausgelöst hat, wird neuropathologisch untersucht. Es gab keine Anschlussverletzung zwischen Schädel und Gehirn. Das Opfer hat auch kaum äußere Verletzungen, was objektiv gegen eine massive Gewalteinwirkung gegen Kopf oder Körper spricht.“ Das Gutachten sollte klären, wie die Hirnverletzungen zustande kamen und ob es sich um eine Straftat oder um ein schreckliches Unglück handelt.
Behörden halten sich bedeckt
Von Beginn an hielten sich die zuständigen Behörden sehr bedeckt. Mehrfache Anfragen wurden stets damit beantwortet, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Sonstige Fragen, ob es zu einer Anklage kommt oder gegen wen ermittelt wird, wurden entweder mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen abgelehnt oder auch einfach ignoriert.
Anklagen vor Landgericht und Amtsgericht erhoben
Nun kommt doch noch Bewegung in den Fall. Ende März hat die Staatsanwaltschaft Hagen vor dem Landgericht Hagen Anklage gegen einen 17-jährigen Hauptverdächtigen erhoben. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge und Beteiligung einer Schlägerei vorgeworfen.
Jetzt wurde weiterhin vor dem Amtsgericht Lüdenscheid gegen sieben weitere Tatverdächtige erhoben, die zwischen 15 und 25 Jahre alt sein sollen. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei vorgeworfen. Darüber berichtete zuerst der WDR.
Keine Auskünfte wegen jugendlichen Alter des Hauptverdächtigen
Presseanfragen gestalten sich schwierig in diesem Fall. Meine ganz aktuelle Anfrage von Montag, 26.Mai 2025 nach dem Stand der Ermittlungen wurden heute lediglich dahingehend beantwortet, dass Anklage gegen sieben Tatverdächtige vor dem Amtsgericht Lüdenscheid und gegen einen Tatverdächtigen vor dem Landgericht Hagen erhoben wurde. Weitere Fragen müsse ich aus pressehoheitlichen Gründen an die jeweiligen Gerichte stellen.
Auf meine schriftlichen Anfragen reagierte bis dato das Landgericht Hagen mit äußerst dürftigen Informationen. Das Verfahren ist am Landgericht Hagen anhängig, über die Zulassung der Anklageschrift zur Hauptverhandlung und die Eröffnung des Hauptverfahrens sei aber noch nicht entschieden worden. Prozesstermine gäbe es aus diesem Grund auch noch nicht.
Fragen zum Tatverdächtigen werden mit der Begründung geblockt, dass der Beschuldigte zur Tatzeit Jugendlicher war. Auch die Frage nach dem Tatvorwurf gegen den Hauptverdächtigen laut Anklageschrift wird nicht beantwortet. Weitere Informationen könnten gegebenenfalls und erst nach Zulassung der Anklageschrift bereitgestellt werden.
Nachfrage ergibt: Noch keine Entscheidung über Zulassung der Anklage
Rund sechs Monate, nachdem die Staatsanwaltschaft Hagen Anklage gegen einen 17-jährigen Haupttatverdächtigen erhoben hatte, teilte das Landgericht Hagen auf Anfrage mit, dass noch keine Entscheidung über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens getroffen wurde. Der Pressesprecher erklärt, dass die Entscheidung aller Voraussicht nach jedoch noch dieses Jahre getroffen werden wird. Weitere Neuigkeiten zum Fall gäbe es nicht.

Urteil: 1 Jahr auf Bewährung (!) + Sozialstunden. Deutschland hat fertig.