Im Jahr 2023 wurden über 10.000 Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg von Jugendämter in Obhut genommen.
Mit 10.828 Inobhutnahmen im Jahr 2023 stieg die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr mit 7.702 Inobhutnahmen um 41 Prozent an.
Zunahme nahezu vollständig durch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Zum wiederholten Male ist die hohe Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die nach Deutschland einreisen der Hauptgrund für den hohen Anstieg an Inobhutnahmen. Die Zahl der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge hat sich 2023 gegenüber dem Vorjahr von 3 842 auf 6 837 erhöht, was ein Plus von 2 995 Personen oder eine Steigerung von 78 Prozent bedeutet.
Somit entfielen fast 96 % der Gesamtzunahme an Inobhutnahmen auf die Gruppe der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge.
Auch Zahl der Inobhutnahmen wegen Kindeswohlgefährdung gestiegen
In 3 090 Fällen wurde eine Inobhutnahme wegen Kindeswohlgefährdung angeordnet, was eine Steigerung von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. 901 Minderjährige haben selbst um Obhut gebeten. Auch hier ist ein Zuwachs von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.
Meiste Inobhutnahmen wegen unbegleiteter Einreise
Mit einem Anteil von 63 Prozent an den gesamten 10.828 Inobhutnahmen war die unbegleitete Einreise aus dem Ausland der häufigste Anlass. Es folgten die Überforderung mit 16 % und Anzeichen für körperliche Misshandlungen und für Vernachlässigungen mit jeweils knapp 7 Prozent.
Jugendämter in Baden-Württemberg massiv überlastet
Die hohe Zahl der eingereisten minderjährigen Flüchtlinge, die alle in Obhut genommen werden müssen, ist für die Jugendämter kaum noch zu bewältigen. Offensichtlich versucht man jedoch tunlichst zu vermeiden, die Überlastung auf die hohe Zahl der eingereisten Minderjährigen zurückzuführen. So werden in Studien und Befragungen häufig die Corona Pandemie, Personalmangel und dem Wechsel in den Ruhestand von Mitarbeitern der Behörden als Gründe angegeben.
Die hohe Belastung hat drastische Folgen. So können die Jugendämter kaum noch die gemeldeten Fälle von Kindesmisshandlungen erfassen und für statistische Zwecke bereitstellen. Die Stadt Stuttgart hat sich zum Ziel gesetzt, dass alle Familien, die ein Kind bekommen haben, von einer Fachkraft des Jugendamts besucht werden. Dern sogenannten Willkommensbesuch haben jedoch nur 44 Prozent der betreffenden Familien erhalten. Grund ist auch hier die Überlastung der Behörde.
In ganz Deutschland sind die meisten Jugendämter überlastet
Bei einer deutschlandweiten Befragung des ARD Polit-Magazins Report Mainz im Januar 2024 gaben 80 Prozent der kommunalen Jugendämter an, dass ihre Mitarbeiter überlastet seien. Teilweise geht die Überlastung soweit, dass Kapazitäten für die Unterbringung von gefährdeten Kindern und Jugendlichen fehlen. So gaben die befragten Behörden an, dass in rund 25 Prozent der Fälle die Kinder und Jugendliche in den Räumlichkeiten der Jugendämter hätten übernachten müssen. Teilweise haben auch Mitarbeiter der Jugendämter die betroffenen Kinder privat mit zu sich nach Hause nehmen müssen.
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
