Kabul ist in den Händen der Taliban – aber in Deutschland ist Wochenende und AKK backt Flammkuchen Über 145 Deutsche warten auf ihre Evakuierung

Kabul ist in den Händen der Taliban – aber in Deutschland ist Wochenende und AKK backt Flammkuchen
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Binnen kürzester Zeit ist Kabul gefallen. Die Taliban konnten mühelos, und vor allem ohne spürbare Gegenwehr der afghanischen Armee Kabul einnehmen. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach 9/11 ist es nicht Amerika, das zurück ist, wie Biden es anlässlich seiner Wahl formuliert hat. Es ist die Taliban, die jetzt sagen kann “We are back”.

Der Westen ist kläglich gescheitert. Man hat die afghanische Armee auf über 300.000 Mann aufgebaut, sie mit Waffen bestückt. Gebracht hat es nichts. 20 Jahre Einsatz, Milliarden an Steuergeldern, und besonders tragisch die vielen gefallenen Soldaten – nur Wochen nach dem Abzug der Nato Truppen schaut die Welt zu, wie die Barbaren der Taliban die Macht übernehmen, als habe es die 20 Jahren westlicher Bemühungen nie gegeben.

Über 145 deutsche Staatsbürger und ihre Helfer warten auf Evakuierung

Jetzt zählt erstmal nur die Rettung der Deutschen, die sich noch in Afghanistan befinden. Weitere Hunderte afghanische Helfer der Bundeswehr und ihre Familien warten auch darauf, ausgeflogen zu werden, um nicht den Taliban in die Hände zu fallen.

In Deutschland ist Wochenende und die Verteidigungsministerin backt Flammkuchen

Die gewöhnlichen Arbeitszeiten müssen in Deutschland auch im Ausnahmefall stets eingehalten werden. Man kennt das mittlerweile durch Corona. Auch nach anderthalb Jahren sind die deutschen Behörden nicht in der Lage, am Wochenende realistische Infektionszahlen zu melden. Warum sollte es jetzt anders sein?
Der Bürokratieweltmeister wollte die Evakuierung in aller Ruhe am Montag starten. So viel Zeit muss sein, das müssen auch die Kopfabschneider der Taliban verstehen. Die Menschen, die sich gerade in höchster Not befinden, können sich die Zeit in Afghanistan ja solange mit Stuhlkreisen mit den Steinzeitkriegern vertreiben. So ungefähr muss die Vorstellung deutscher Politiker von der Lage dort sein. Anders lässt sich das letzte Lebenszeichen von der Verteidigungsminnisterin Kramp-Karrenbauer auf Social Media nicht erklären.
Ihr letzter Beitrag zeigt sie beim Flammkuchenbacken für die Flutopfer. An sich eine schöne Sache, angesichts der dramatischen Gefahr für die deutschen Behördenmitarbeiter, ist dieses Signal aber Sinnbild für das Versagen der Außenpolitik und gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht derer, die gerade in Afghanistan um ihr Leben fürchten.

Besser spät als nie – Jetzt geht es doch schon heute los

Offenbar ist man nun, angesichts der Bilder von heute, welche die Übernahme von Kabul durch die Taliban ohne jegliche Gegenwehr zeigen – eine Übergangsregierung unter Führung der Taliban soll jetzt folgen – im Elfenbeinturm in Berlin aufgewacht.
Jetzt sollen sich doch bereits heute die ersten Fallschirmjäger auf den Weg nach Afghanistan machen. In Militärtransportern geht es nach Kabul, um deutsche Staatsbürger und einheimische Helfer auszufliegen.

Morgen soll nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Krisenunterstützungsteam aus Experten verschiedener Ministerien in Kabul eintreffen. Ein zweites Team soll in Usbekistan in der Stadt Taschkent eine Drehscheibe für die Rettung der Menschen organisieren. Von dort geht es dann für die Geretteten mit Charterfliegern weiter. Es handelt sich offenbar um den bis dato größten Evakuierungseinsatz der Bundeswehr.

Am Ende bleibt die Frage nach der fehlenden Gegenwehr

Aktuell bleibt nur zu hoffen, dass alle deutschen Staatsbürger und ihre einheimischen Helfer gerettet werden können.
Die Frage, die man sich stellen muss ist aber, wie es zu dem kompletten Zusammenbruch der afghanischen Armee kommen konnte.

Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse fordert ein Überdenken des Vorgehens bei Militäreinsätzen außerhalb Europas. “Unser gesamtes Konzept “train assist advise” (ausbilden, unterstützen, beraten) werden wir überprüfen müssen und wir müssen fairerweise die Frage stellen: Funktioniert das außerhalb Europas? Scheinbar nicht”, sagte der Heeresgeneral am Samstag in NDR Info. Man müsse bei Auslandseinsätzen vorher politische Ziele klar setzen, langen Durchhaltewillen zeigen – oder eben nicht hingehen.

Der Westen habe in Afghanistan “350.000 Sicherheitskräfte ausgebildet, recht gut ausgerüstet. Da fliegen mehr Hubschrauber bei denen als bei der Bundeswehr. Also: Sie haben sie nicht eingesetzt, und warum nicht?” Es mangele an Kampfmoral und Loyalität, sagte Domröse. Den afghanischen Soldaten “fehlt das Wofür”.

Jene in der Deutschen Politik, die vor ein paar Wochen unbedingt den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan forderten und sich durchsetzen konnten, haben bis dato nur die schlechtmöglichste Lösung parat. Sie fordern jetzt die Aufnahme der fliehenden Afghanen, meist junge Männer, in Deutschland in der EU.
Vielleicht bleibt am Ende des Tages einzig die bittere Erkenntnis, dass Afghanistan durch den Westen nicht zu retten ist.


Foto/Grafik: ai
Text: yk

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