Kaum Ortskräfte unter den von Deutschland evakuierten Afghanen Hat die Bundesregierung gelogen?

Kaum Ortskräfte unter den von Deutschland evakuierten Afghanen
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Kaum Ortskräfte unter den evakuierten Afghanen

Der Bundeswehreinsatz der vergangenen Tage in Kabul diente der Evakuierung von deutschen Staatsangehörigen und den sogenannten Ortskräften. So lautete stets die offizielle Berichterstattung der Regierung. Offenbar waren aber nur ein sehr kleiner Teil der mit den deutschen Bundeswehrfliegern tatsächlich Ortskräfte.

Als Ortskräfte werden einheimische Personen bezeichnet, die in den vergangenen Jahren für die Bundeswehr während des Einsatzes in Afghanistan gearbeitet hatten. Die Bundesregierung hatte den Ortskräften und ihren Familienangehörigen eine Aufnahme in Deutschland zugesichert. Um wie viele Personen es sich dabei genau handelt, ist immer noch unklar. Nach Informationen der BILD Zeitung handelt es sich um ca. 13.000 Ortskräfte und ihre Familienangehörige. Behördlich bestätigt sind diese Zahlen jedoch nicht.

Verteidigungsministerium veröffentlicht Anzahl der Evakuierten

Das Verteidigungsministerium veröffentlichte am gestrigen Freitag, dass mit den drei eingesetzten Bundeswehrflugzeugen insgesamt 5.347 Menschen evakuiert wurden. Darunter befinden sich ca. 500 Deutsche und mehr als 4.000 afghanische Staatsangehörige. Weiterhin befinden sich laut Verteidigungsministerium noch 45 andere Nationalitäten unter den Evakuierten.

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Weniger als fünf Prozent der Evakuierten sind Ortskräfte

Wie die BILD Zeitung aus einer Schaltkonferenz zwischen Innenministerium, Auswärtigem Amt und weiteren Behörden erfahren hat, sind lediglich ein Bruchteil der Evakuierten tatsächlich Ortskräfte. So sollen unter den (Stand 17.8.2021) mit den Bundeswehr ausgeflogenen 3.600 Menschen lediglich rund 100 Ortskräfte gewesen sein. Dazu kommen 375 Famlienangehörige.
Damit sind gerade einmal knapp drei Prozent der Evakuierten tatsächlich Ortskräfte. Stellt sich die Frage, wie das sein kann.

Hat die Bundesregierung gelogen? 

Am Mittwoch hatte das Auswärtige Amt noch erklärt, dass sich unter den Evakuierten „eine beträchtliche Anzahl ehemaliger Ortskräfte“ befinden würde. Auch Kanzlerin Merkel sprach immer davon, dass es bei dem Einsatz vor allem darum gehe, die afghanischen Ortskräfte nach Deutschland zu bringen. Jetzt stellt sich heraus, dass über 90 Prozent der ausgeflogenen Afghanen gar keine Ortskräfte waren.

Abgeschobene Straftäter unter den Evakuierten

Brisant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass bereits in der vergangenen Woche vier bereits abgeschobene Straftäter mit den Bundeswehrfliegern wieder nach Deutschland eingereist sind. Dies konnte nur passieren, da die Sicherheitsüberprüfung der Personen nicht bereits in Afghanistan sondern erst nach Ankunft in Deutschland erfolgt, wie der Innenminister Horst Seehofer in einer Pressekonferenz zum Thema Afghanistan am 19.August erklärte.

Ungereimtheiten über die Auswahl der Evakuierten

Im Zusammenhang mit der Einreise von bereits abgeschobenen Straftätern fragte die Zeitung WELT einen zuständigen Beamten, ob denn nicht wenigstens ein Abgleich vom Ausweis der betreffenden Person mit den vom Auswärtigen Amt zur Verfügung gestellten Listen mit Namen der Ortskräfte stattfinden würde, bevor man eine Person in den Bundeswehrflieger lässt. Der zuständige Beamte bestätigte, dass dieser Abgleich stattfindet.

Wenn, wie die BILD berichtet, aber nur ein Bruchteil der über 5.000 evakuierten Personen tatsächlich Ortskräfte sind, stellt sich die Frage, wer die mehreren tausend, anderen evakuierten Personen sind, und mit welcher Berechtigung sie über die Evakuierungsflüge nach Deutschland kamen. Denn wenn es keine Ortskräfte sind, standen die Personen wohl auch nicht auf den Namenslisten vom Auswärtigen Amt.


Foto/Grafik: ai
Text: yk


 

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