Neue Plagiatsvorwürfe gegen Franziska Giffey (SPD) Nach dem Entzug des Doktortitels nun auch Vorwürfe wegen ihrer Masterarbeit

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Franziska Giffey (SPD)
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Die Plagiatsvorwürfe gegen Franziska Giffey gehen in die nächste Runde. Nachdem die Freie Universität Berlin ihr bereits den Doktortitel entzogen hat gibt es jetzt neue Plagiatsvorwürfe gegen die SPD Politikerin!

Wie das Nachrichtenportal t-online bereichtet, soll sie auch bei ihrer Masterarbeit wissenschaftliche Standards verletzt haben.

Bürgermeisterkandidatin von Berlin unter Bedrängnis

Im Juni wurde der ehemaligen Familienministerin, die im Herbst gerne Bürgermeisterin von Berlin werden möchte, bereits durch die Freie Universität Berlin der Doktortitel wegen “Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung” entzogen. Giffey trat deswegen kurz zuvor als Familienministerin zurück.

Noch stehen die Chancen von Giffey, ins Rote Rathaus einzuziehen nicht schlecht: 21 Prozent Zustimmung hat die SPD in der jüngsten Forsa-Umfrage zur Abgeordnetenhauswahl. Damit sind sie gleichauf mit den Grünen in der Hauptstadt. Gewinnt Giffey die Wahl wird sie nicht nur Regierende Bürgermeisterin, sondern aller Voraussicht nach auch Wissenschaftssenatorin.

Umso schlimmer wiegen nun die Vorwürfe, die der SPD Politikerin wegen ihrer Masterarbeit gemacht werden.

Der Vorwurf: Giffey hat schon früher, Jahre vor ihrer Doktorarbeit, massiv wissenschaftliche Standards verletzt. Auch bei ihrer Masterarbeit soll sie das von ihr unterzeichnete Versprechen an die Wissenschaft gebrochen haben, und das in hohem Maße.

“Einfachste Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens verletzt”

Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaften an der Freien Universität Berlin, hat Giffeys Masterarbeit in den letzten Monaten mit Unterstützung eines Politikwissenschaftlers intensiv geprüft. Nach Sichtung und mühsamer Quellenarbeit fällt Stefanowitschs Urteil vernichtend aus:

“Die Masterarbeit ist in großen Teilen ein Flickenteppich aus Plagiaten”, sagte er t-online. “Einfachste Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens wurden verletzt.”

Die Arbeit mit dem Titel “Der Europapreis der Parlamentarischen Versammlung des Europarats” legte Giffey 2005, damals noch unter ihrem Geburtsnamen “Süllke”, an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege vor. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits Europabeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln, ein aufsteigender Stern in der Kommunalpolitik.

Im Laufe des heutigen Freitag wird die Dokumentation der Forscher online veröffentlicht. Die Prüfung sei noch nicht vollständig abgeschlossen, da manche der von Giffey angegebenen Quellen nur schwer oder gar nicht mehr aufzutreiben seien. Mit der Veröffentlichung erhoffe man sich auch Hilfe bei der Quellenrecherche, so Stefanowitsch.

62 Plagiate auf 91 Seiten

Obwohl die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist, haben die Forscher bereits 62 Stellen in der 91 Seiten (mit Anhang 141 Seiten) langen Arbeit gefunden, die sie als mehr oder minder schwere Plagiate bewerten. Auf knapp einem Drittel der Seiten haben sie mindestens einen oder gleich mehrere Absätze gefunden, die wörtlich aus anderen Quellen übernommen wurden, aber nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet wurden, sagt Stefanowitsch gegenüber t-online. Manchmal seien die zu den Inhalten passenden Quellen außerdem erst später im Text genannt oder ganz andere Quellen angegeben worden.

Mehrfach wurden in die Masterarbeit ganze Absätze hineinkopiert, ohne ein einziges Wort zu ändern. Manchmal stammen die Originalsätze aus wissenschaftlichen Arbeiten, manchmal wurden sie aber auch von städtischen oder touristischen Webseiten kopiert.

“Wirkt, als ob gar nicht versucht wurde, die Arbeit eigenständig zu formulieren”

Stefanowitsch korrigiert regelmäßig Abschlussarbeiten und weiß, wie sehr Studenten in dieser Phase unter Stress stehen können. Dass man in einer Arbeit mal den Überblick verliere und Fehler mache, dafür habe er Verständnis, sagt er gegenüber t-online. Das aber scheine hier nicht der Fall zu sein. “Bei diesem flächendeckenden Vorgehen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es der Verfasserin nicht bewusst war”, sagt er.

Ob böser Wille oder Überforderung der Grund war, will Stefanowitsch nicht bewerten. Es wirke allerdings, “als ob gar nicht erst versucht wurde, die Arbeit eigenständig zu formulieren”. Dabei habe Franziska Giffey, damals noch unter dem Namen Süllke, vor der Masterarbeit bereits ein Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin abgeschlossen. Auch diesen Abschluss erlangte sie – nach eigenen Angaben von 1998 bis 2001 – an der Fachhochschule, an der sie den Master ablegte. Mit den Regeln des wissenschaftlichen Zitierens hätte sie also bestens vertraut sein müssen, findet Stefanowitsch.

Giffey erklärte bei ihrem Rücktritt als Ministerin, dass sie ihre Dissertation “nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben habe”. Sie bedauere, wenn ihr dabei Fehler unterlaufen seien. Im selben Statement gab sie bekannt, dass sie weiterhin als Spitzenkandidatin der SPD in Berlin kandidieren wolle. Nun ziert ihr Gesicht viele Plakatwände in Berlin, auch in Lichtenberg, nahe der Bibliothek der HWR wirbt sie für sich.

Wiederkehrendes Muster – Masterabschluss nicht verdient

Professor Stefanowitsch verfolgte auch die Prüfung der Dissertation genau. “Das Muster, nach dem die Masterabeit verfasst ist, erinnert stark an das, was auch bei der Dissertation festgestellt wurde.”

Er zieht für den Master aus seinen Untersuchungen das Fazit: “Aus meiner Sicht ist dieser Masterabschluss nicht verdient.” Die rechtlichen Konsequenzen könne er jedoch nicht einschätzen, da die Regelungen hierzu von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich sind.

“Fehler beruhen auf Flüchtigkeit”

Franziska Giffey ließ bereits mitteilen: Falls es zu Fehlern gekommen sei, “beruhen diese auf Flüchtigkeit”
Die Rechtskanzlei “Unverzagt” teilte t-online am späten Donnerstagabend im Namen von Franziska Giffey mit, dass ihre Mandantin ihre Masterarbeit “nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt” habe. “Soweit sie hierbei unter Zugrundelegung wissenschaftlicher Standards wörtliche Übernahmen nicht hinreichend als solche kenntlich gemacht hat, geschah dies ohne Absicht und insbesondere nicht zu dem Zweck, wissenschaftliche Erkenntnisse der jeweils Zitierten als eigene auszugeben.” Falls Fehler bei der Zitatform aufgetreten seien, “beruhen diese auf Flüchtigkeit”, heißt es weiter. Aus diesem Grund sehe Giffey selbst auch keinen Verstoß gegen die von ihr am Ende der Masterarbeit unterzeichnete Erklärung.


Foto/Grafik: ai
Text: yk


 

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