Der Mailänder Domplatz wurde in der Silvesternacht für mehrere Frauen ein Ort des Grauens.
Die Frauen wurden von unzähligen Männern in die Enge getrieben, umzingelt und sexuell angegriffen. Mindestens sieben Frauen erstatteten bisher Anzeigen deswegen. Die Staatsanwaltschaft in Mailand geht mittlerweile davon aus, dass es sich um einen Fall von Taharrusch dschama’i handelt, sich die Männer also gezielt verabredet hatten, um gemeinschaftlich wehrlose Frauen anzugreifen.
Taharrusch dschama’i – Seit Silvester 2015 ein Begriff in Europa
Der Begriff Taharrusch dschama’i tauchte zum ersten Mal im Zusammenhang mit den massenhaften sexuellen Übergriffen an Silvester 2015 in Köln auf. Täter waren hier hauptsächlich junge Männer aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum.
Vor 2015 gab es diese gezielten Angriffe gegen Frauen im öffentlichen Raum weder in Deutschland noch in Italien oder anderen europäischen Ländern.
Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass es sich bei den sexuellen Übergriffen in Mailand aber ebenfalls um einen Fall von Taharrusch dschama’i handelt. Dabei handelt es sich um massive sexuelle Übergriffe auf Frauen im öffentlichen Raum, die von großen Gruppen meist junger Männer begangen werden, die sich zu diesen Taten meist online über Messengerdienste oder Social Media verabredet haben.
Überwachungskameras zeichnen Taten auf
Eine 20-jährige Studentin aus Belgien war die erste Frau, die Anzeige wegen der sexuellen Übergriff erstattete. Sie ging nach ihrer Rückkehr nach Belgien zur Polizei und wurde im Anschluss von italienischen Ermittlern vernommen. Die Anzeige der Belgieren löste die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft aus.
Auf Überwachungsvideos ist die 20 Jahre alte Frau zu sehen und auch die massenhaften Übergriffe auf sie und viele weitere Frauen, die auf der Piazza Silvester feiern wollten. Es gibt ein Video, wo die junge Frau mit ihren Freundinnen zu sehen ist, wie sie den Domplatz betreten und schnell in das Gedränge geraten. Auf einem zweiten Video ist eine große Gruppe junger Männer zu sehen, die sich im Kreis um die Belgierin und ihre Freundinnen bewegen und sich anschließend den jungen Frauen immer bedrohlicher nähern.
Piazza voller junger Männer
Wie „Südtirol News“ zuerst berichtet, beschreibt die belgische Studentin die folgenden Minuten folgendermaßen: „Die Piazza war voller Jugendlicher und junger Männer, die Fahnen von Palästina, Türkei, Irak und Pakistan trugen und in Augenhöhe Feuerwerkskörper entzündeten. Um dem Gedränge zu entkommen, gingen ich und meine Freundinnen in Richtung der Galerie. Als wir eintraten, waren wir von etwa 40 Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren umringt, die uns den Weg versperrten und uns nicht passieren ließen. Dann fingen sie an, uns zu begrapschen, sie berührten uns überall, auch unter unserer Kleidung“.
Die junge frau erklärt weiter, dass sie sich 30 bis 40 Sekunden lang durch Ohrfeigen und Fußtritte zu wehren versuchte, bis ihr ein 40 bis 50 Jahre alter Italiener zur Hilfe kam. Dieser wollte seine Frau retten, die neben ihr stand und laut schrie. „indem er meinen Arm nahm, zog er auch ich aus der brodelnden Menge heraus“ beschreibt die Belgierin ihre Rettung.
Weitere Frauen erstatten Anzeigen
Die 20 jährige Studentin aus Belgien und zwei ihrer Freundinnen waren nicht die einzigen Frauen, die Anzeige wegen der sexuellen Übergriff erstatteten. Auch eine 50-jährige Anwältin aus Italien, eine Engländerin und eine Südamerikanerin brachten die Angriffe zur Anzeige.
Außerdem wurde ein Ehepaar aus der Region Emilia-Romagna von den Ermittlerin angehört. Die Ehefrau berichtete ebenfalls von sexuellen Übergriffen gegen sie. Nicht bestätigten Aussagen zufolge soll ihr Ehemann auch derjenige sein, der die junge Belgierin aus den Fängen der jungen Männer gerettet haben soll.
Auf dem Mailänder Domplatz kam es bereits vor drei Jahren, ähnlich wie in Deutschland 2015, zu massiven sexuellen Übergriffen.
In der Folge kam es zu Verurteilungen von mehreren jungen Männern. Zu den aktuellen Übergriffigen konnten jedoch noch keine Tatverdächtigen ermittelt werden.
