Neues Video aus der Tatnacht zeigt wüste Beschimpfungen gegen den sterbenden Philippos
Nachdem am letzten Prozesstag Anfang April erst Videos vom Tatgeschehen gezeigt wurden, die den Verdacht gegen den vorbestraften syrischen Hauptangeklagten Mwafak al S., der sich selbst Yasin, nennt, erhärteten, wurde am heutigen 16. Prozesstag erneut ein bis dato nicht bekanntes Video vor Gericht abgespielt, wie die Regionalzeitung „Westfalen-Blatt“ zuerst berichtet. Das Video wurde erst jetzt auf dem Handy des bis dato als Zeugen geltenden Deutschen Lucas (18) gefunden, nachdem die Verteidiger des Hauptangeklagten eine neuerliche Durchsuchung der Handys des Syrers und aller Zeugen beantragt hatten.
Auf dem Video, das der 18-jäjhrige Lucas selbst aufgenommen und später gelöscht hatte, ist das 20-jährige Opfer in Nahaufnahme zu sehen. Die Aufnahmen zeigen, wie Philippos leblos auf dem Boden liegt und aus Nase und einem Ohr blutete, während das rechte Bein unkontrolliert krampfte. Zu sehen ist auch, dass das Opfer sich eingenässt hatte.
Zu hören ist auf dem Video auch, wie der 18-jähige Lucas den sterbenden Philippos auf schlimmste Weise beschimpft:
„„Du kleine F…., du wolltest mit mir Stress, du kleine F….!“ Nach diesen widerlichen Beschimpfungen stoppt die Aufnahme. Der Vater von Philippos verließ vor Abspielen des Videos den Gerichtssaal.
18-jähriger entschuldigt sich – Verteidiger sehen Hauptangeklagten entlastet
Der 18 Jahre alte Lucas entschuldigte sich während der Vernehmung durch das Gericht. Er gab an, nicht mehr zu wissen, warum er das Video gemacht hatte und dass ihm alles leid tue. Er hätte Philippos nicht gekannt und dementsprechend auch nie Streit mit ihm gehabt. Warum er das Opfer derartig beschimpft hatte, könne er sich nicht erklären. Vielleicht wollte er den Coolen spielen, gab er weiter an. Am nächsten Tag hätte er das Video gelöscht. Außerdem erklärte der 18-jährige Deutsche, dass er Philippos weder angefasst noch getreten habe.
Die drei Verteidiger des Hauptangeklagten sehen derweil ihren Mandanten durch das neue Video entlastet, da es den Beweis liefern würde, dass nicht nur der Syrer bei Philippos war. Auch Lucas hätte die Gelegenheit gehabt, das Opfer zu schlagen und zu treten. Deswegen streben die Anwälte einen Freispruch für ihren Mandanten an.
Staatsanwalt bittet um Entschuldigung und bleibt bei seiner Anklage
Der zuständige Staatsanwaltschaft übernahm die Verantwortung dafür, dass durch die Polizei erst jetzt, nach neuerlicher Untersuchung gefunden wurden. Es hätte vieles einfacher gemacht, wenn man die Videos früher zur Verfügung gehabt hätte. Dann bat er insbesondere die Familie um Entschuldigung: „Ich muss mich entschuldigen, insbesondere bei der Familie von Philipos, beim Gericht und allen ehrlichen Bürgern. Aber nicht bei dem Angeklagten und seinen Verteidigern.“
Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat der Hauptangeklagte den 20-jährigen Phlippos geschlagen, verfolgt und im Lauf getreten. „Philippos ist gestürzt und bewegte sich da schon nicht mehr.“ Das neu aufgetauchte Video ändere daran nichts, auch wenn das Video schwer zu erklären sei. „Dass man einen Sterbenden mit vulgärsten Ausdrücken beschimpft – damit kommt meine Generation nicht mehr klar.“
Hauptangeklagter streitet Tat weiterhin ab
Der Hauptangeklagte gab am heutigen Prozesstag über seine Anwälte eine Erklärung ab, wo er erneut die Tat abstreitet. Seine bisher getätigte Aussage sei weiterhin im Wesentlichen korrekt, bis auf einen Punkt. Dann gab er zu, dass er den am Boden liegenden Philippos die Tasche geklaut hatte. Erst wollte er das nicht zugeben, da er annahm, dass man ihm dann auch die tödlichen Tritte zur Last legen würde.
Gericht steht vor schwerer Aufgabe
Der Prozess wird am 7. Mai fortgesetzt. Angesichts immer neu auftauchenden Videos aus der Tatnacht und viele Aussagen jugendlicher Zeugen, die häufig von angeblichem Nichtwissen, Vertuschen und auch Lügen geprägt waren, ist es für die Richter des Landgericht Bielefeld sicherlich keine einfache Aufgabe, zu einer Entscheidung zu kommen. Nicht einmal erahnen lässt sich, wie traumatisch der Prozess für die Eltern und Geschwister von Philippos sein muss.
Die Familie von Philippos muss für alle Prozesskosten, auch für die Anfahrt und Übernachtung selbst aufkommen.
Hier können Sie die Familie unterstützen: SPENDEN-AKTION FÜR PHILIPPOS FAMILIE
