Freispruch und Psychiatrie statt Gefängnis für Messerangreifer Täter griff zwei Kinder an christlicher Schule in Berlin an

Freispruch und Psychiatrie statt Gefängnis für Messerangreifer

Wir erinnern uns. Am 3. Mai 2023 kurz nach 15 Uhr stieg ein Mann über den Zaun einer christlichen Grundschule in Berlin Neukölln und stach mit einem Messer auf zwei Kinder ein. Einem 8 jährigen Mädchen stach der Mann in den Hals. Ein 7 jährigen Mädchen wurde mehrfach in den Oberkörper verletzt. Beide Kinder erlitten schwerste Verletzungen und mussten mit dem Rettungshubschrauber in Kliniken gebracht werden. Das 8 Jahre alte Mädchen schwebte in Lebensgefahr. Beide Kinder mussten notoperiert werden.

Tat ein Einzelfall ohne Motiv

Sehr schnell war von Behördenseite zu hören, dass diese grausame Tat ein Einzelfall sei. Das Motiv kenne man nicht und die Tat sei nicht zu verhindern gewesen. Grundsätzlich seien Kinder an Schulen in Sicherheit, aber ein Restrisiko würde bleiben.
Die Tat habe man nicht verhindern können, da es keine Anzeichen gab, dass der Täter zu Gewalttaten neige.
Aber stimmt das?

Täter bereits mehrfach vorbestraft und soll vor Jahren auf Freundin eingestochen haben

Berhan S. ist alles andere als ein friedlicher und unbescholtener Bürger. Der zum Tatzeitpunkt 38 jährige Mann türkischer Herkunft ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung, Diebstahl, Betrug, Leistungserschleichung, Drogendelikte und Sachbeschädigung.

Zudem soll Berhan S. schon einmal einen Menschen mit einem Messer angegriffen und beinah getötet haben.
2009 soll er auf seine damalige Freundin Sonja S., eine deutsche mit türkischer Mutter, eingestochen haben. Auch sie überlebte nur durch eine Notoperation. Ihre Mutter machte den Behörden nach dem Angriff den Vorwurf der Untätigkeit. Zwanzig Mal hätte man den Mann bereits wegen Gewalt gegen ihre Tochter angezeigt, aber nichts passierte.
Die Mutter gab an, dass ihre Tochter seit Jahren von Berhan, mit dem sie ein gemeinsames Kind hat, verprügelt wird. Ihre Tochter habe den Mann aus Angst vor seiner strenggläubigen Familie noch nicht verlassen. Zudem sei das gemeinsame Kind, zur Tat 1 Jahr alt, bei der Familie des Mannes.

Stimmen im Kopf – Freifahrtschein in die Schuldunfähigkeit

Zurück zur Gegenwart. Nachdem der 38 jährige Berhan S. auf die beiden Kinder eingestochen hatte, gab er bereits bei seiner Festnahme an, Stimmen gehört zu haben, die ihm befohlen haben sollen, Kinder zu töten. Das war das Signal für die Beauftragung eines Gutachters, der die Schuldfähigkeit des Täters zu überprüfen hatte. Die zuständige Staatsanwaltschaft brachte sodann gleich ein Unterbringungsverfahren auf den Weg und keine reguläre Anklage.

Das Folgende kennt man aus vielen Prozessen in der jüngeren Vergangenheit, wenn es zu schweren Gewalttaten im öffentlichen Raum gekommen ist. Ein Gutachter bescheinigt die Schuldunfähigkeit, das Gericht folgt mit einem Freispruch und ordnet die Unterbringung im Maßregelvollzug an, weil vom Täter eine erhebliche Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.

Kommt dieser Täter auch nach fünf Jahren schon frei?

Insgesamt wurde die Tat rechtlich als zweifacher versuchter Totschlag gewertet. Für den Täter selbst bleibt die Tat in strafrechtlicher Sicht folgenlos. Jetzt wird er in einer psychiatrischen Klinik therapiert. Er gilt als kranker Mensch und nicht als Straftäter, weswegen alle weiteren Maßnahmen sich nun auf Heilung und nicht auf Strafverbüßung konzentrieren.

Dass die Zeit im Maßregelvollzug für Täter, die schwerste Gewaltverbrechen begangen haben, viel schneller vorbei sein kann, als eine vergleichbare Haftstrafe zeigt der Fall des somalischen Arztmörders von Offenburg.
Der Täter kam als Asylbewerber nach Deutschland. Bei seinem Asylantrag machte er unwahre Angaben über seine Identität. Im Sommer 2018 tötete er den Offenburger Hausarzt Dr. Tüncher in dessen Praxis mit einem Messer.
Auch er wurde wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und im Maßregelvollzug untergebracht. Bereits vier Jahre nach der Tat erhielt der Täter täglich drei Stunden freien Ausgang in der Stadt.

Im vergangenen Dezember, also nur fünf Jahre nach dem schrecklichen Verbrechen wurde der Somalier, von dem die Identität auch im Unterbringungsprozess selbst noch nicht eindeutig geklärt war, in seine Heimat abgeschoben.
Fünf Jahre nachdem er den Hausarzt auf brutalste Weise getötet hatte, einer damals zehn Jahre alten Tochter den Vater und einer Frau den Ehemann nahm, konnte der Mann Deutschland als freier und unbescholtener Mann wieder verlassen. Unbescholten deshalb, weil es kein Urteil, sondern einen Freispruch gab.

Das System des Maßregelvollzugs ist nicht gerecht

Sicher gibt es Menschen, die im Zustand der Schuldunfähigkeit schwere Straftaten begehen. Die Paragrafen 63 und 64, welche die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik oder in einer Entzugsklinik bei Schuldunfähigkeit regeln, sind auch als wichtige Elemente unseres Rechtsstaats zu betrachten.
Wenn jemand im Zustand der Schuldunfähigkeit eine Straftat begeht, kann er richtigerweise nicht dafür bestraft werden.

Jedoch wird ein Aspekt bei diesem Prozedere vollständig ignoriert. Das sind die Opfer und deren Angehörigen.
Schwer traumatisiert durch die Tat selbst müssen sie damit klar kommen, dass der Mensch, der ihr Leben in manchen Fällen sogar zerstörte nicht dafür bestraft wird und nach seiner Zeit im Maßregelvollzug keinerlei Folgen aus der Tat mehr zu erwarten hat, da er freigesprochen wurde.

Um auch die Opfer und deren Angehörige in die Aufarbeitung solcher Taten mit zu berücksichtigen und ihnen zumindest ansatzweise die Möglichkeit zu geben, die Geschehnisse zu verarbeiten, muss der Rechtsstaat auch in solchen Fällen die Opfer im Blick behalten.
Dies könnte dadurch erreicht werden, wenn die Dauer einer Unterbringung im Maßregelvollzug an die mögliche Haftstrafe, die unserer Strafgesetzbuch für die entsprechende Tat bei Schuldfähigkeit vorsieht, im Prozess festgesetzt wird.
Es darf einfach nicht sein, dass ein Mörder, schuldunfähig oder nicht, nur fünf Jahre nach einer solch schweren Tat als freier und unbescholtener Mensch in Freiheit entlassen wird, als sei nie etwas geschehen.

Gerechtigkeit für die Kinder im Fall Berhan S. wird es nicht geben

Man kann nur hoffen, dass die beiden Kinder, die Opfer von Berhan S wurden. die grauenhaften Erlebnisse irgendwann einmal hinter sich lassen können. Vielleicht hilft ihnen das junge Alter zum Tatzeitpunkt dabei. Gerechtigkeit für sie und ihre Familien wurde nicht geschaffen.

Foto auf Titelbild: © facebook

Anzeige

Haben Sie einen wertvollen Hinweis?

Ihre Informationen könnten entscheidend für eine wichtige Geschichte sein.
Teilen Sie Ihren Hinweis heute und machen Sie den Unterschied.

Kommentare

  1. Ich habe schon lange gefordert keine Gefängnisse mehr zu bauen, sondern nur noch Psychiatrische Kliniken!

Kommentarbereich ist geschlossen.