Oberbayern und München häufigste Tatorte
Im Regierungsbezirk Oberbayern, wozu die kreisfreien Städte München, Ingolstadt und Rosenheim, 20 Landkreise sowie Städte wie Dachau, Fürstenfeldbruck oder Starnberg gehören, wurden mit 48 Taten die meisten Gruppenvergewaltigungen erfasst. Die Stadt München selbst folgt mit 35 registrierten Fällen, gefolgt von den Regierungsbezirken Mittelfranken mit 14 Fällen an Gruppenvergewaltigungen, Schwaben mit 12 Taten, die Stadt Nürnberg mit 8 Taten, der Bezirk Oberpfalz mit 6 Taten sowie die Bezirke Unterfranken mit fünf und Niederbayern und Oberfranken mit jeweils drei Taten.
Hohe Aufklärungsrate
Der Großteil im vergangenen Jahr polizeilich registrierten Gruppenvergewaltigungen in Bayern konnte aufgeklärt werden. Als Gruppenvergewaltigung wird jede Vergewaltigung mit mehr als einem registriertem Tatverdächtigen erfasst. Die Aufklärungsquote lag bei 84,6 Prozent.
Ausländer unter den Tatverdächtigen massiv überrepräsentiert
Insgesamt konnte die Polizei zu den erfassten 91 Gruppenvergewaltigungen 153 Tatverdächtige ermitteln. Hierunter befinden sich 64 Tatverdächtige mit deutscher Staatsangehörigkeit. Wie viele dieser Tatverdächtigen zur deutschen Staatsbürgerschaft über weitere Staatsangehörigkeiten verfügen, lässt sich nach Angabe der Landesregierung Bayern aus der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht ermitteln. Der Anteil der deutschen Staatsangehörigen unter allen Tatverdächtigen liegt damit bei 41,8 Prozent.
Von den insgesamt 153 Tatverdächtigen haben 89 Personen eine ausländische Staatsangehörigkeit, was einem Anteil von 58,2 Prozent an allen Tatverdächtigen entspricht. Laut Antwort der Landesregierung betrug der Anteil nichtdeutscher Bewohner in Bayern zum Zeitpunkt 1. Januar 2025 an der Gesamtbevölkerung 15,6 Prozent. Ausgehend hiervon waren also nichtdeutsche Tatverdächtige bei Gruppenvergewaltigungen in Bayern im Jahr 2025 um das rund 3,7 fache überrepräsentiert.
Hohe Anzahl an Zuwanderern unter den Tatverdächtigen
Unter den 89 nichtdeutschen Tatverdächtigen befinden sich 54 tatverdächtige Zuwanderer. Als Zuwanderer fallen nach bundeseinheitlicher Definition in der Polizeilichen Kriminalstatistik alle nichtdeutschen Tatverdächtigen, die mit den Aufenthaltsgründen Asylbewerber, Duldung, unerlaubter Aufenthalt oder Schutz- und Asylberechtigte sowie Kontingentflüchtlinge erfasst sind.
Asylbewerber und Flüchtlinge machen mit 54 Tatverdächtigen somit einen Anteil von rund 35,3 Prozent an allen Tatverdächtigen aus. Unter den ausländischen Tatverdächtigen stellen sie mit einem Anteil von rund 60,7 Prozent die Mehrheit, was sich auch an den Herkunftsländern der Tatverdächtigen bemerkbar macht. So kamen die meisten nichtdeutschen Tatverdächtigen mit 17 Personen aus Afghanistan, gefolgt von 13 Tatverdächtigen aus Syrien, 8 Tatverdächtigen aus dem Irak, 6 Tatverdächtigen dem Iran.
Auf Platz fünf und sechs der Herkunftsländer folgen Bulgarien und Rumänien mit jeweils 4 Tatverdächtige. Dieselbe Anzahl an Tatverdächtigen stammen aus Somalia, gefolgt von der Ukraine und Sierra Leone mit jeweils 3 Tatverdächtigen.
Von den 54 ermittelten Zuwanderern als Tatverdächtige wurden 48 Personen als Asylbewerber erfasst, was bedeutet, dass über deren Asylantrag noch nicht abschließend entschieden wurde, ihr Asylverfahren also noch läuft, was wiederum dafür sprechen könnte, dass die entsprechenden Tatverdächtigen noch nicht allzu lange in Deutschland aufhältig sein dürften oder ein Asylfolgeantrag gestellt haben, über den noch nicht abschließend entschieden wurde. Zu vier Tatverdächtigen wurde der Aufenthaltsgrund „schutzberechtigt oder asylberechtigt“ erfasst, ein weiterer Tatverdächtiger verfügte über eine Duldung. Ein tatverdächtiger Zuwanderer hielt sich unerlaubt in Deutschland auf.
Opfer meist Deutsche
Ganz anders als bei den Tatverdächtigen stellen bei den ermittelten Opfern Deutsche die Mehrheit. So wurden insgesamt 91 Personen registriert, die in Bayern im vergangenen Jahr Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurden. Hiervon stellten 72 Opfer mit deutscher Staatsangehörigkeit, was einem Anteil von 79,1 Prozent an allen Opfern entspricht, die große Mehrheit. Wie bei den Tatverdächtigen kann auch bei den Opfern eine etwaige weitere Staatsangehörigkeit neben der deutschen nicht angegeben werden.
19 registrierte Opfer verfügten über eine ausländische Staatsangehörigkeit, was einen Anteil von 20,9 Prozent an allen Opfern entspricht. Das häufigste Herkunftsland ist hierbei die Ukraine mit 3 Opfern, gefolgt von der Slowakei und Afghanistan mit jeweils zwei Opfern. Unter den nichtdeutschen Opfern befinden sich vier Zuwanderer, wovon zwei Personen aus der Ukraine stammen, eine Person aus Benin und ein Opfer aus dem Kongo.
Weitere Kennzahlen und Informationen
Unter den 91 erfassten Opfern befinden sich neun Männer und 82 Frauen. Bei den Frauen waren 34 Opfer zwischen 14 und 18 Jahre alt, 18 Opfer zwischen 18 und 21 Jahre und 30 Opfer zwischen 21 und 60 Jahre. Bei den Männern war 1 Opfer zwischen 14 und 18 Jahre alt, 2 Opfer zwischen 18 und 21 Jahre und 6 Opfer zwischen 21 und 60 Jahre alt.
Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen befinden sich eine Frau und 88 Männer. Von diesen männlichen Tatverdächtigen waren 19 Personen zwischen 14 und 18 Jahre alt, hierunter gab es 4 Tatverdächtige im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. 16 männliche Tatverdächtige waren zwischen 18 und 21 Jahre alt und 49 Personen waren zwischen 21 und 60 Jahre alt. Die weibliche Tatverdächtige war im Alter zwischen 40 und 50 Jahren.
Wie auch die Frage nach Mehrfachstaatsangehörigkeiten konnte die Landesregierung die Frage nach den Vornamen der deutschen Tatverdächtigen nicht beantworten, da diese nicht Teil der gespeicherten Informationen der Polizeilichen Kriminalstatistik in Bayern seien.
Quelle: Drucksache 19/11454
