Bad Oeynhausen – Nach dem Jahreswechsel fand im Fall Phliippos gestern der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen einen 18-jährigen Syrer vor dem Landgericht Bielefeld statt. Das Interesse der Medien an dem Fall scheint bereits abgenommen zu haben, angesichts der geringen Anzahl an Journalisten im Saal. Ebenso waren die vorgesehenen Plätze für interessierte Zuschauer nicht voll belegt, wie es noch am ersten Prozesstag im Dezember der Fall war.
Prozess beginnt mit Verspätung
Angeklagt sind neben dem 18-jährgen Syrer, dem Totschlag, gefährliche Körperverletzung und Diebstahl vorgeworfen wird, auch zwei 19-jährige Deutsche. Sie stehen wegen schwerer Körperverletzung und Hehlerei vor Gericht. Die beiden Deutschen haben sich nach der Tat selbst gestellt. Sie sollen den Haupttäter erst am Tattag kennengelernt haben.
Der angeklagte Syrer wurde wenige Tage nach der Tat festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die beiden anderen Angeklagten sind auf freiem Fuß. Einer der Mitangeklagten reiste mit dem Zug aus Sachsen-Anhalt zum Prozess an. Weil die Bahn Verspätung hatte, konnte auch der Prozess erst mit 45 Minuten Verspätung beginnen. Und genauso schnell ging der Verhandlungstag auch wieder zu Ende. Nach 15 Minuten war bereits wieder Schluss.
Tatortprotokoll einer Kripobeamtin war Thema an diesem Tag
Zentraler Punkt an diesem zweiten Verhandlungstag war das Tatortprotokoll einer Kripobeamtin und Mitglied der gegründeten Mordkommission „Palais“. Die Beamtin hält in ihrem Tatortprotokoll die Eindrücke von der Tatortbegehung am 24. Juni 2024 fest.
Sie sei am Sonntagvormittag informiert worden und gegen 14 Uhr am Tatort im Kurpark Bad Oeynhausen eingetroffen.
Tatort wurde erst am nächsten Tag gesichert
Wie aus dem Protokoll der Beamtin hervorgeht, sei der Tatort in der Nacht nicht abgesperrt worden und daher die ganze Nacht und morgens für jeden frei zugänglich gewesen. Eine Veränderung des Tatorts sei daher nicht auszuschließen. Auch die Fontänen auf dem Vorplatz des Kurhauses seien in Betrieb gewesen und erst beim Eintreffen der Kripobeamten abgeschaltet worden.
Die Beamtin hält im Protokoll fest, dass die Mindener Polizei es offenbar nicht für nötig gehalten habe, den Tatort in der Nacht großflächig abzusperren. Laut ihrem Protokoll geschah dies erst am Sonntagnachmittag.
Der Bereich rund um den Tatort sei an diesen sonnigen Sonntag zudem stark frequentiert gewesen. Auch in der Nacht sollen viele Menschen im Park unterwegs gewesen sein, da es rund um den Park und in der Stadt viele Veranstaltungen gab und sich zudem ganz in der Nähe eine Disco befindet. Eine Videoüberwachung am Tatort ist laut Protokoll nicht vorhanden.
Mutter von Philippos bricht in Tränen aus
Am Nachmittag nach der schrecklichen Tat wurde die Tasche von Philippos in einem Ententeich im Kurpark gefunden. Zwei Zeuginnen hatten die Polizisten vor Ort darauf aufmerksam gemacht. Der Inhalt der Tasche wird vor Gericht erläutert und parallel dazu werden Fotos gezeigt.
In der Tasche befanden sich der Geldbeutel mit Ausweisen und Fotos und ein Schlüsselbund. Dadurch konnten die Ermittler die Tasche dem Opfer zuordnen. Als das Passbild ihres Sohnes im Gericht auf einer Leinwand gezeigt wird, bricht die Mutter in Tränen aus.
Urteil im Mai erwartet
Der Prozess wird am 27. Januar fortgesetzt. Bis Mai 2025 sind noch 16 weitere Verhandlungstermine angesetzt.
Mit einem Urteil ist frühestens am 22. Mai 2025 zu rechnen.
Die Familie von Philippos muss für alle Prozesskosten, auch für die Anfahrt und Übernachtung selbst aufkommen.
Hier können Sie die Familie unterstützen: SPENDEN-AKTION FÜR PHILIPPOS FAMILIE
